Also, die von Raimond geschilderten gesundheitlichen Probleme bei den ganz langen Strecken (und dazu über mehrere Tage !) verursachen bei mir Einiges an Stirnrunzeln. Ich meine, daß man durch eine sorgfältige Vorbereitung Vieles vermeiden kann.
Der Leistungs-Gedanke ist mir trotz meines Alters immer noch nicht völlig fremd. Aber wie ich von meiner kürzlich vollendeten 200 [km]-Strecke weiß, passen 200 [km] relativ gut in den Zeitraum von 24 [h] (Bei einem Fahrer mit 20 [km/h] Durchschnitt). Mit Schlaf (8 [h], bei mir unverzichtbar !) , 2 [h] Aufstehen und Frühstück sowie Abendessen und Zubettgehen bleiben für die Fahrt (incl. 2 x Brotzeit und Pinkelpausen) 14 [h]. Realistisch kann man 12 {h] auf dem Fahrrad zubringen. das sind dann 240 [km]. Sicher kann man daraus auch 300 [km] machen. Z.B. indem man seinen "Tag" auf > 24 [h] aufbläst. oder wer noch mehr will, muß seine Durchschnitts-Geschwindigkeit steigern. Je nach Alter, Kondition und Willenskraft sind da aber Grenzen (Die muß jeder für sich selber rausfinden !). Deshalb mein Rat an Reimund: Ein bißchen planvoller vorgehen und solche Sachen wie Kreislauf-Zusammenbrüche unbedingt meiden. Dehydratation und Hungeräste sind durchaus lebensgefährlich (Mit fortschreitendem Alter eine noch größere Bedrohung!). Meine 200 []km]-Strecke gab mir nicht nur Genugtuung über das an "KM"-Erreichte, sondern auch die Genugtuung, daß meine Planungen und Vorbereitung sich als absolut angemessen erwiesen haben. Ich liebe es nun mal, wenn ein Plan funktioniert !
Bei den Erfahrungen, die Du auf deinen Langstrecken (Deren Bewältigung ich viel Respekt zolle !) gemacht hast, solltest Du hinreichend Bescheid wissen, wie ein angemessenes Vorgehen aussieht. Kein Mensch ist Fehler-frei, man sollte aber aus seinen Fehlern lernen. Wenn man dann darüber hier berichtet, können sogar Andere davon profitieren. Natürlich bleibt die Einschränkung, daß nicht Alles 1:1 übertragen werden kann, bestehen. Die Berücksichtigung seiner eigenen Randbedingungen sollten für Andere nicht besonders schwierig sein.
Betreff: Bowdenzug-Bruch im Lenker-Hebelbereich. Das ist Konstruktions-immanent. Denn die Nippel werden an die Seile angegossen Das Material ist im Prinzip so eine Art Weichlot (die genaue Zusammensetzung ist mir nicht bekannt). Zunächst mal sind wenig Unterschiede zwischen Schaltseil und Bremsseil fest zu stellen. Schalteile sind dünner.
Am Übergang Nippel zu Seil gibt es einen großen Steifigkeitssprung, der durch seine Kerbwirkung schon bei der "normalen" Zugbelastung im Betrieb die Spannung in dem Bereich erhöht. Ob das schon ausreicht, um einen Dauerbruch zu verursachen, kann man nur im Labor-Versuch oder mit einer FEM-Rechnung vorhersagen. Ich meine, daß vor Allem eine zusätzliche Biegespannung zum Ende der einzelnen Drähte des Seils durch Dauerbruch führt. Zwar können sich sowohl Tonnen- als auch Birnen-Nippel sich mit dem freien Ende vor dem Nippel im Hebel tangential einstellen (Da würden keine Biegespannungen auftreten), aber die "tangentiale" Eistellung ist je nach Genauigkeit der Geometrie (Stichwort Toleranzen) mehr oder weniger unvollkommen. Gute Brems-Hebel haben extra Laschen in U-Form, die die Nippel aufnehmen, wobei die Laschen separat mit dem Hebel drehbar vernietet sind. Da könnte man die Vernietung hin und wieder mal fetten. Bei den Schaltseilen ist es schwieriger, etwas an Ursache fest zu stellen und dann zu beseitigen. Fetten sollte auch hier eine gute Wirkung haben.
Bei allen Maßnahmen muß man immer Auswand zu Nutzen in ein angemessenes Verhältnis setzen. Denn ein neues Edelstahlseil kostet ca. 2,50 € und wenn das 10 000 [km] hält, scheint das in Ordnung zu sein.
Man bedenke aber, wer das Seil nicht selber wechseln kann, muß Arbeitszeit bezahlen.
Der Werkstattstundensatz liegt heute bei ca. 80 €/h. Ein Seil könnte in 15 [Min] gewechselt sein (keine Komplikationen vorausgesetzt). Anteilig wären das 20 €. Wenn statt 10 000 [km] die Haltbarkeit auf 20 000 [km] gesteigert werden kann, denke ich, kann man über bessere Bearbeitung (Sparpotential 22,50 €) nachdenken. Das Glätten der Nippel vor dem Einbau könnte auch etwas bringen (Stichwort Schmirgelleinen ). Falls Fetten der Aufnahme im Hebel etwas bringt, sollte man das machen.
Ich muß gestehen, ich habe an den "Bremshebeln, Schalthebeln " bisher noch Nichts gemacht. Hin und wieder lohnt sich aber, über solche Sachen nach zu denken.
MfG EmilEmil